Hintergrund


Ein miserabler Zustand

1996 besuchte Familie Pfälzner erstmals das staatliche Waisenhaus von Bamako; „La Pouponnière“, wie die Malier es nennen. Die Zustände waren katastrophal! Das geringe staatliche Budget reichte nicht für das Nötigste. Nur zwei Frauen kümmerten sich um die 50-60 dort untergebrachten Kinder im Alter von null bis drei Jahren. Diese befanden sich oft in einem sehr schlechten Gesundheitszustand und waren meist stark unterernährt. Viele hatten lebensbedrohliche Durchfälle. Säuglingsnahrung war nicht in ausreichenden Mengen vorhanden, Medikamente fehlten meist ganz, medizinisches Personal gab es nicht. Die hygienischen Bedingungen waren miserabel: Die Kinder lagen teils auf dem nackten Fliesenboden, teils zu dritt oder zu viert in einem Bettchen. Sie trugen keine Windeln und alle Kinder tranken aus den wenigen vorhandenen Babyflaschen. So verbreiteten sich Krankheiten rasant. Da Moskitonetze fehlten, waren die Kinder dem gefährlichen Malariafieber schutzlos ausgeliefert. Die Frauen damals konnten sich um die vielen Kinder nicht angemessen kümmern, waren überfordert und demotiviert. Wer nicht laut genug schrie, wurde schnell übersehen. Das Sterben von Kindern war an der Tagesordnung.

Erste Erfolge

Von diesem Bild beeindruckt und zutiefst erschüttert sammelten Heike Dohmann-Pfälzner und Peter Pfälzner im Winter 1996/1997 im Freundes- und Bekanntenkreis ein kleines Startkapital von DM 7.500,-. Dies setzen Sie im kommenden Frühjahr vor Ort für das Nötigste ein: Es wurden fünf Betreuerinnen eingestellt, Bettchen, Milchflaschen und Moskitonetze angeschafft und ein monatliches Budget von ca. DM 590,- für die Beschaffung von Medikamenten, Nahrung und das Gehalt auf einem eigens dafür eingerichteten Konto deponiert. Mit der deutschen Ärztin Dr. Ursula Diawara lernten Sie eine wichtige Vertrauensperson kennen, die sich in den letzten 20 Jahren vor Ort um die Kinder und die kleine Spendeninitiative kümmerte. Wenige Zeit später waren zwei private Waisenhäuser wegen unregelmäßiger Adoptionsvorgänge geschlossen worden, sodass sich die Zahl der Kinder auf ca. 120 erhöhte. Eine Zahl, die bis 2012 etwa konstant bleib. In den folgenden Jahren konnten durch private Spenden aus dem Freundes- und Bekanntenkreis jährlich € 12.000,- aufgebracht werden. Insbesondere die Grundschule auf der Wanne und das Kepler-Gymnasium in Tübingen engagierten sich über viele Jahre hinweg tatkräftig für die Kinder im Waisenhaus. Zu unserer großen Freude engagieren sich mittlerweile auch andere Initiativen kontinuierlich für die Waisenkinder. All diese großartige Unterstützung trug Früchte: Die Kinder wurden liebevoll betreut und ihr allgemeiner Gesundheitszustand verbesserte sich erheblich. Viele Kinder, welche die ersten Tage im Waisenhaus ohne die wichtige Hilfe womöglich nicht überlebt hätten, könnten bei Adoptivfamilien in eine neue Zukunft starten. Im Sommer 2007 erzählte uns die Waisenhausdirektorin begeistert, es seien in diesem Jahr erst zwei Kinder gestorben. Eines davon sei HIV-positiv gewesen und an den Folgen gestorben; das andere sei in einem so schlechten Zustand ins Waisenhaus gekommen, dass jede Hilfe vergeblich war.

Die Entwicklung seit 2012

Seitdem Anfang 2012 ein bewaffneter Konflikt im Norden Malis ausbrach, in welchem bald auch europäische Streitkräfte die malische Armee unterstützten, ist die politische Situation angespannt. Die Wirtschaft des Landes litt unter den Unruhen sowie unter einigen extremen Dürreperioden. Bamako wächst durch viele Landflüchtlinge stetig an. Es entstehen extreme Slums rund um die Hauptstadt. 

Während des turbulenten Jahres 2012 drückte der „Hohe Islamische Rat“ Malis ein Gesetz durch das Parlament, wonach ausschließlich Paare malischer Staatsbürgerschaft malische Kinder adoptieren dürfen. Ein Gesetz mit gravierenden Folgen: Die Zahl der betreuten Kinder ist seitdem auf 260 - 300 Kinder angestiegen! Medikamente und Nahrung sind wieder knapp und die Kinder leiden sichtlich unter der Situation. Im letzten Jahr kam es zu etwa 30 Todesfällen - eine erschreckende Zahl! Jede Betreuerin kümmert sich um je 25 Kinder; sie sind überanstrengt und demotiviert, da sie den Bedürfnissen der Kinder nicht gerecht werden können. Deshalb wird unsere Hilfe jetzt mehr gebraucht denn je! Im Frühjahr 2017 konnten wir die Finanzierung zweier weiterer Betreuerinnen sicherstellen. Nun ist eine Erhöhung des Etats für Medikamente und Nahrung dringend notwendig. Das ist unser nächstes Ziel und eine große Herausforderung!

 

Zudem mussten wir mit Erschrecken feststellen, dass der Staat keine Einrichtung für die Betreuung der Waisenkinder im Alter von über fünf Jahren geschaffen hat. Wir sind sehr besorgt um das Wohl dieser Kinder!